Lausanne (VD), Vidy CIO: Die Sedimentschichten des römischen Hafens

Die Ausgrabung, unter der Leitung des Archäologen R. Guichon (Archeodunum SA), befindet sich etwa 200m nördlich des heutigen Ufers des Genfersees.

 

Die Untersuchung des Areals begann mit Sondagen, wobei von Sand überdeckte Böden zutage gefördert wurden. Beim Bau des neuen Internationalen Olympischen Komitees wurden zusätzlich Hafenstrukturen freigelegt. So konnten neue Informationen über quartäre Sedimente – sowohl natürliche wie auch anthropogene – gewonnen werden.

 

Dieses noch laufende Projekt wird zu einem besseren Verständnis der Seespiegelschwankungen in der römischen Periode und auch in früheren Perioden beitragen.

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Salgesch (VS), Mörderstein: 9000 Jahre Ablagerungen im Zentralwallis

Die östlich von Sierre gelegene Region Finges/Pfyn spielt eine wichtige Rolle für das Verständnis der Landschaftsentwicklung und der Besiedlung des Wallis.

 

Der Abri unter dem Mörderstein wurde unter der Leitung des Archäologen M. Mottet (ARIA SA) und seinem Team ausgegraben. Die geoarchäologische Studie dazu hat zum Ziel, die Sedimentschichten des Abris zu entschlüsseln. Der Verfüllprozess des Abris kann durch Kenntnisse des geologischen Umfeldes des Areals nachvollzogen werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Erdrutsch, der für den heutigen Standort des Steinblocks verantwortlich ist.

 

Eine Beschreibung der verschiedenen Schichten und ihrer Entstehung machen den Kern dieser Studie aus. Mikromorphologische Analysen werden durchgeführt, um Paläoböden zu bestimmen und Rückschlüsse auf die verschiedenen Arten der menschlichen Nutzung des Abris zu erlauben. Die durch dieses Projekt gewonnenen Erkenntnisse tragen zu einer Rekonstruktion der Ablagerungsvorgänge in Zentralwallis in Laufe von 9000 Jahren bei.

 

Erscheint demnächst in Cahiers d’Archéologie Romande.

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Courtételle (JU), basilique St-Maurice: Eine Kirche in ihrer natürlichen Umgebung

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Während der Rettungsgrabung um die mittelalterliche Kirche und dem dazugehörigen Friedhof (unter der Leitung von O. Heubi, Section d'archéologie et paléontologie des Kantons Jura) kamen Fragen zur natürlichen Umgebung der Ausgrabungsstätte auf. Die Kirche befindet sich in einer Flussschleife der Sorne (Rheinbecken), deren Verlauf sich über die Jahrhunderte verändert hat.

 

Viele Profile wurden freigelegt und mussten in einen stratigrafischen Zusammenhang gebracht werden. Ein Ziel der vorgesehenen geologischen Studie ist es, eine diachrone Rekonstruktion der prähistorischen Umgebung der Basilika zu erstellen. Mithilfe von geochemischen und mikromorphologischen Analysen können aufschlussreiche Informationen zu den mittelalterlichen Siedlungsschichten und Strukturen, wie zum Beispiel den Grubenhäusern, gewonnen werden.

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Le Grand-Saconnex (GE), Pré-du-Stand: Eine Ausgrabung im Flachland

Der Bau eines Autobahnkreuzes veranlasste die Ausgrabung von frühgeschichtlichen und neolithischen Befunden in der Nähe des Genfer Flughafens. Die Ausgrabung fand unter der Leitung von M. Besse und T. Steimer (Labor für prähistorische Archäologie und Anthropologie der Universität Genf) statt.

 

Eine mikromorphologische Analyse der Stratigrafie wurde an Proben aus verschiedenen Ablagerungsschichten durchgeführt. Die oben gelegenen dicken Schwemmschichten enthielten archäologisch relevantes Material. Die ersten Ergebnisse der Analysen trugen zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise eines auf dem Areal freigelegten eisenzeitlichen Entwässerungskanals bei. Die laufende Analyse weiterer Proben wird, in Kombination mit weiteren Untersuchungen zum Gelände,  einerseits eine diachronische Übersicht der prähistorischen Umgebung ermöglichen, sowie einen Einblick in menschliche Aktivitäten auf der Ebene erlauben.

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Vufflens-la-Ville (VD): Die Auswirkungen eisenzeitlicher Siedlungsaktivitäten

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Die im Venogetal gelegene Ausgrabung wurde von den Archäologen A. Schopfer und B. Julita (Archeodunum SA) und ihrem Team durchgeführt. Die geologische Untersuchung umfasst mehrere Schritte:

 

Zuerst wird eine Schichtanalyse an ausgewählten Bereichen des Areals durchgeführt. Der stratigrafische Zusammenhang dieser Bereiche und die Abfolge der Schichten machen einen wichtigen Teil der Arbeit aus. Darauffolgend wird eine Rekonstruktion der diachronischen Entwicklungen des Berghangs und der Schwemmebene versucht, unter Berücksichtigung der beobachteten stratigrafischen Ereignisse und den damit zusammenhängenden Veränderungen, wie zum Beispiel Änderungen im Flussverlauf. Schliesslich können geoarchäologische Analysen an Proben durchgeführt werden, die in Zusammenarbeit mit den Archäologen ausgewählt werden.

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Nidau (BE), Mühlefeld: Anthropogene Ablagerungen am Seeufer

Im Laufe einer Testgrabung wurde die Ausgrabungsstätte in der Nähe des Bielerseeufers, auf Anfrage des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, Gegenstand einer geologischen Untersuchung.

 

Im Rahmen dieser Untersuchung wurden zwei Proben für die mikromorphologische Analyse der archäologischen Kulturschichten entnommen. Vier Siedlungsphasen konnten so bestimmt werden, die vom wiederholten Anstieg des Seespiegels unterbrochen sind. Im unteren Teil konnten Nachweise für Fernverkehr und für den Import von exogenen Materialien festgestellt werden. In den oberen Schichten, wo Tierhaltung nachweisbar ist, sind die zwei Phasen von einer Brandschicht getrennt, was als grossflächiger Brand interpretiert wird. Ein Vergleich mit den archäologischen Befunden wird diese Interpretation möglicherweise bestätigen können.

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Courtedoux (JU): Eine mikromorphologische Analyse von Karsttrichterverfüllungen

 

Diese Studie wurde auf Anfrage der Section d'archéologie et paléontologie des Kantons Jura durchgeführt. Im Jura-Flachland, bei Courtedoux in der Ajoie, wurden Karsttrichter mit gut stratifizierten Verfüllungen entdeckt. Ihnen wurden etwa fünfzig Proben entnommen und mikromorphologisch untersucht.

 

Das Hauptziel dieser Studie ist eine Rekonstruktion der lokalen Umweltbedingungen in der Zeit, als die Karsttrichter verfüllt wurden. Danach wird, unter Einbezug von verschiedenen evolutionären Phasen, eine chronostratigrafische Eingliederung der Ablagerungen angestrebt.

 

Die Karsttrichter enthalten Knochen von grossen Tieren, aber es konnten keine menschlichen Aktivitäten in den Verfüllungen nachgewiesen werden.

 

Die Resultate werden 2018 veröffentlicht.

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Eclépens (VD), le Mormont: ein Felsvorsprung im Schweizer Mittelland

Während der archäologischen Grabung auf der Kuppe des Mormont, unter der Leitung von C. Nitu (Archeodunum SA), wurde gleichzeitig eine geologische Studie durchgeführt, welche zwei Aspekte näher betrachtete:

 

Einerseits wurde eine Rekonstruktion der Entwicklung der prähistorischen Umgebung des Areals angestrebt, anhand von Analysen der quartären Ablagerungen. Andererseits wurden die Sedimentschichten in den Opfergruben untersucht, um Rückschlüsse auf die Siedlungsaktivität im Ort ziehen zu können.

 

Die Ergebnisse der Studie werden demnächst in Cahiers d'Archéologie Romande erscheinen.

Weitere Informationen : Archéothema

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Liddes (VS): Mur (dit) d’Hannibal: Geoarchäologie im periglazialen Gebiet

Diese aussergewöhnliche alpine Stätte (2650 m ü. M.) wird seit mehreren Jahren unter der Leitung von R. Andenmatten ausgegraben.

 

Unser erstes Ziel war es, den geologischen Kontext zu ermitteln, in den die 270m lange Mauer (die sog. „mur d’Hannibal“) errichtet wurde. Dafür wurden Merkmale der lokalen Topografie wie Moränen und Blockgletscher identifiziert und ihr Zusammenhang mit der Struktur beobachtet. Mit diesen Informationen konnte eine Relativchronologie der natürlichen und anthropogenen Strukturen des Areals erstellt werden.

 

Eine weitere, noch laufende Studie umfasst die mikromorphologische Analyse der Sedimentschichten, welche mit der Mauer, die für diese Höhenlage aussergewöhnlich gut erhalten ist, in Zusammenhang stehen. Die Studie soll auch einen Einblick in die menschliche Aktivität innerhalb der Mauer gewähren.

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Dizy (VD), En Delèze: Natürliche Archive aus dem Moor

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Die Studie eines Torfmoores, das sich zurzeit unter einer Kiesgrube befindet, erlaubte eine Rekonstruktion der natürlichen Umgebung des Waadtländer Flachlands seit dem letzten Glazial. In Zusammenarbeit mit H. Richard und V. Bichet vom Laboratoire Chrono-Environnement de l’Université de Franche-Comté (Besançon) wurden Bohrproben mit einer Gesamtlänge von 6 Metern entnommen, die eine Aufreihung von Kreiden und Torfen aufzeigen. Im Labor wurden die Proben sedimentologischen und palynologischen Analysen sowie einer C14-Datierung unterzogen.

 

Durch diese Analysen konnten die wichtigsten Veränderungen in Klima und Vegetation, welche im Spätglazial ansetzen und in das Holozän hineindauern, festgestellt werden. Die Auswirkung von menschlichen Aktivitäten auf die Umgebung wurde ebenfalls ersichtlich.

 

Die Resultate werden demnächst im Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles veröffentlicht.

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Château d’Oex (VD), Sciernes-Picats: Ein Abri in den Voralpen

Der Abri befindet sich auf 1200m Höhe unter einem Kalksteinblock, der in einem Schwemmkegel eingebettet ist. Die geologische Studie wurde in Zusammenarbeit mit den Archäologen J. Bullinger, P. Crotti und G. Pignat durchgeführt. Die Resultate dieser Studie zeigten, dass der untere Teil der Verfüllung typische spätglaziale Vorgänge aufweist.

 

Zu den ersten Spuren menschlicher Aktivität beim Abri gehören durch Begehung verdichtete Böden. Eine Schlickschicht zeigt ebenfalls Siedlungsaktivitäten des Spätmesolithikums auf. In einer darunterliegenden Schicht sind Nachweise für die noch kalten klimatischen Umstände des Frühholozäns. In dieser Zeit fand eine Frostverwitterung des Steinblocks statt, gleichzeitig mit dem Einzug von Pflanzen in das Gebiet. Eine Schicht aus kleineren Blöcken belegt einen Einsturz der Wand.

 

Die Resultate werden demnächst veröffentlicht.

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Vallée de Delémont (JU): Überblick über das Holozän

In Zusammenarbeit mit dem Palynologen H. Richard wurde ein Gesamtüberblick über verschiedene Entwicklungen im vallée de Delémont während des Holozäns erarbeitet. Dafür wurden Sedimentsequenzen kompiliert, welche entlang der A16 freigelegt worden sind.

 

Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein Model, das Paläohydrologie, Erosion und Bodenbildung wie auch die Evolution der Pflanzendecke im Verlauf der letzten 12‘000 Jahren miteinbezieht, und ebenfalls den Verlauf und die Auswirkung von Siedlungsaktivität im Tal berücksichtigt.

 

Erschienen in : Swiss Journal of Geosciences (2014) 107:1-21

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Marin (NE), Les Piécettes: Eine Pfahlbauersiedlung unter dem Mikroskop

Die neolithische Siedlung Marin-Les Piécettes am Nordufer des Neuenburgersees datiert auf ungefähr 3500 v. Chr. Der hier vorhandene künstliche Hügel von einem Meter Höhe ist eine einzigartige Struktur, die so aus keiner anderen europäischen Seeufersiedlung bekannt ist. Aus diesem Grund ist die archäologische Stätte von nationaler Bedeutung.

 

Ihre Stratigrafie wird als Teil einer ausführlichen Studie untersucht, welche in Zusammenarbeit mit M. Honegger, Professor am Archäologischen Institut der Universität Neuchâtel, durchgeführt wird. Eine mikromorphologische Analyse soll die Umstände rekonstruieren, in denen die Sedimente sich absetzten. Die Analyse soll auch verwendete  Baumaterialien aufzeigen und zum Verständnis der menschlichen Aktivität auf dem Areal beitragen, vor allem in Siedlungs- und Handwerksbereichen.

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